Jeden Tag aufs neue überrascht uns das E-Mailpostfach, nicht etwa weil wir Nachrichten von alten Schulfreunden oder verschollenen Familienmitgliedern erhalten, oder durch den Newsletter der SPD vom Bundestags-Wahlsieg erfahren haben (klar, das könnte passieren, aber das sehen wir erst noch später), sondern weil wir jeden Tag merkwürdige Betreffzeilen um die Ohren geworfen bekommen, Betreffzeilen, die – was noch merkwürdiger ist – nichts mit dem Mailtext zu tun haben.Nun stellt sich die Frage, welchen Sinn es macht eine Email zu schicken und mit dem Betreff “Schöne Fahnenmasten” zu bespicken, wenn es in der Nachricht selbst darum geht, “sein bestes Stück aufwerten” zu lassen. Auf den ersten Blick totaler Unsinn, Unsinn für jemanden, der im ersten Gedankengang nicht zweideutig denkt oder weiß, was Geschlechtsverkehr ist oder noch besser, was das eigene Geschlechtsteil zu leisten im Stande ist. Nunja, wenn man(n) der Frau glauben darf, ist es nicht viel, was das männliche Ge(sehr)schlecht leisten kann, auch wenn der Mann eher davon überzeugt ist der beste Stecher der Welt zu sein und allen Frauen alles besorgen zu können, von der Nagelpflegecreme (die er im Supermarkt allerdings auch nur mit Hilfe der weiblichen Aushilfe gefunden hat) bis hin zum Plagegeist, der nach 9 Monaten von einer ganz bestimmgen Stelle im weiblichen Körper abgesondert wird. Allerdings ist das nun nicht unser Thema heute, zurück zu den Spammails.
Früher war Spam einfach zu erkennen: ein Mann im grauen Trenchcode und Hut, sowie ein Aktenkoffer (der ungewöhnlich groß war, schließlich musste von Versicherungsangeboten bis hin zu zwei Staubsaugern alles hineinpassen), der weibliche Part wäre allerdings eine total aufgetakelte Frau im rosa Kleid mit noch größerem Koffer, der allerdings Beine ausklappen kann, Seitenteile besitzt und meistens mit Plastik (Mehrwegverstauungsutensilien) oder plastifizierenden Eigenschaften (nein, keine Silikonbusen, aber immerhn Schminke, oh, pardon, MakeUp natürlich) gefült ist. Hier erkennt der gediegene, intelligente Türspion-Gucker sofort: “Oh Gott! Ein Vertreter!” und macht demzufolge garnicht erst die Tür auf. Wahlweise können auch die Zeugen Jehovas oder das DRK (Deutsches Rotes Kreuz), wahlweise auch die Vertreter der Rentnerpartei vor der Tür stehen, man erkennt sofort: “Den kenne ich nicht, da mach ich nicht auf.” – und macht die Tür nicht auf. Im Internet ist es etwas ganz anderes.
Man(n) öffnet also sein E-Mailpostfach, erwartet die Bestellbestätigung vom Orion-Online-Erotikversandhaus oder auch von Beate Uhse, dazu die Antwort auf die Anfrage an den Michael Jackson-Fanclub, wie die Wettchancen stehen, wieviele seiner 50 Konzerte in Europa stattfinden werden und alles was man vorfindet sind Spamnachrichten über Fahnenmasten – oder eben der Aufpolierung des Ge(sehr)schlechts und des Durchhaltevermögens mit blauen Pillchen, die man komischerweise auf Homepages mit .cz oder .pl-Endung in der URL kaufen kann. Und wie es dann zu allem Überfluss noch passieren muss, übersieht man die Bestellbestätigung bei Orion, beziehungsweise man löscht sie, weil sie direkt unter der Bestellbestätigung für schöne Fahnenmasten, die vor ihrem Hotel (dem Einzimmer-Hotel im 25-Stockwerk-Hochhaus in der versmoggten Innenstadt) stehen müssen, steht und obendrein auch noch als Junk markiert ist, weshalb die Bestellung nicht zustande kommt und man die ganze Maschinerie nocheinmal in Gang bringen muss. So eine Strapaze für ein paar Männerstrings und ein tausenderpack BillyBoy’s – achja und für Viagra, Durchhalte-Brausepulver, Penisring und Stimulations-Räucherstäbchen.
Man hat also nicht nur den “Ist das wirklich Spam”-Kontrollierstress, sondern auch noch die Strapazen durch das Löschen etwaiger wichtiger und nicht-Junk-Mails, die daraus entstehen, dass man entweder nicht antwortet und der gegenübersitzende PC-Nutzer nocheinmal die Anfrage schickt (oder sinnvollererweise anruft) und man ggf. nocheinmal die Ebay-Kontaktdaten der letzten Versteigerung nachfragen muss.
Aber einen Vorteil hat Spam dann doch, allerdings gilt dieser Vorteil nur dann, wenn das Emailkonto von einem Ehepaar betrieben wird. Sollte die Frau nichts von der Erotikversandhandel-Bestellung wissen (und die bestellten Utensilien NICHT bei ihr Benutzung finden), ist es sehr sinnvoll, die Bestellbestätigung als Junk zu titulieren – und die Bestellung tags darauf nochmal zu tätigen.
Soweit für heute!