Warum eigentlich ein Schwert?

Vortrag heute:
Warum man auf dem Mittelaltermarkt anstelle von etwas sinnvollem lieber ein Schwert kauft
Oder: Warum schon Ritter immer schauen mussten, wer den/das Längste/n hat.

Eintritt frei, Gratislacher an der Rezeption abzuholen.

Willkommen liebe Mitritterinnen und Mitritter, moin moin ihr da draußen!
Wie schon das Schild am Eingang verkündete, geht es heute um das Schwert. Nun fragt ihr euch um welches Schwert es wohl gehen mag, da es doch so viele dort draußen in unserer großen weiten, nach Pythagoras und Aristoteles zu allem überfluss auch noch KUGELFÖRMIGEN Welt gibt!
Nun, es ist nicht etwa das Schwert eines Schiffes gemeint, welches dazu dient den Abdrift als Vortrieb umzusetzen oder das Schwert eines Schwertfisches, wobei dieses Schwert unserem gemeinten Schwert schon recht nahe kommt. Gemeint ist das Schwert, welches der tapfere, heldenhafte, furchtlose, elegante, (zum teil) anmutige, (manchmal) schlaue, eingebildete Ritter mit in die Schlacht nahm um sein Leben und das seiner Kameraden mit Faust, Schild und (natürlich) Schwert zu verteidigen.
Etwaige Feinde wurden schon von weitem in die Flucht geschlagen, sobald der Ritter sein Schwert aus der Scheide (Ja so heißt dieses verdammte Lederding nunmal, Jugendschutz hin oder her!) nahm (hier ist nichts Zweideutiges!), es dem Gegner zeigte und laut über das Schlachtfeld rief: “Schaut her was ich hier habe, schaut! Ein Schwert! Jaha! Nänänänänääänääää!”, während er dabei eine lange Nase machte und wild auf seinem Pferd herumhampelte. Hierbei gilt zu berichten, dass der eine oder andere (weniger schlaue) Ritter während dieser Tätigkeit vom Pferd fiel und dabei einen Genickbruch erleidete, hervorgerufen durch seinen Helm, der ihm eigentlich zum Schutze dienen sollte, aber auch beim Turnier in der Tjosk starben die meisten Ritter nicht durch den Stich einer Lanze oder den Hieb eines Schwertes, sondern weil sie durch den Aufprall der Waffe am Panzer oder Schild aus dem Sattel gehoben wurden und jämmerlich zu Boden fielen, so sie sich einen Genickbruch einhandelten (und das nur für eine Frau (jungfräuliche Prinzessin, Lady in Not oder wahlweise Witwe Königin auf Suche nach neuem Ehemann), wenn man den Filmen glauben darf). Die üblen Ganoven des Feindes, die bei diesem (wahrscheinlich verboten bekloppt aussehenden) Gesten noch nicht abgehauen sind, bekommen erstmal einen Pfeil geschenkt. Eine netter Zug von den Kontrahenten, nicht wahr? Sollte man meinen, denn eigentlich haben diejenigen, die einen Pfeil abbekommen haben (es waren meistens nicht genug für alle da und manche gerieten auf dem Weg zum Addressaten darüber hinaus auch noch auf Abwege) das Spiel “Auf den der Pfeil zeigt hat verloren!” verloren. Warum verliert man ein Spiel, wenn man etwas bekommt, möchtet ihr wissen? Na ganz einfach! Die Methode der Geschenkzustellung war aufgrund des ekeligen Körpergeruchs der beiden Parteien (die sich eh nicht riechen konnten) etwas problematischer, denn kein Bote wollte zur anderen Frontlinie gehen und die angespitzen Schäfte übergeben, aber da Pfeile schön ausbalanciert sind, kann man sie prima mit einem Bogen einfach hinüberschicken. Diese Methode des Hinüberschickens hatte nur einen Haken, der Geschenk(-Pfeil)-Empfänger hatte danach verloren – nicht nur das Spiel, sondern meistens auch auf Anhieb sein Leben, denn die Pfeile hinterließen meistens nicht nur einen tiefen bleibenden Eindruck der Güte und Freundschaft, sondern trafen meistens auch irgendwelche lebenswichtige Organe, weshalb das Ableben des Beschenkten oft weniger freudig war.
Die Ritter hingegen waren häufig in ihrem Panzer vor den bösen Folgen dieser Geschenkpfeile geschützt, da sie abprallten und ohne Wirkung zu Boden fielen (sofern nicht das arme Pferd des Ritters getroffen wurde, dann fiel eher der Ritter zu Boden). Einziges Problem bei der Sache dürfte der Ton der abprallenden Pfeile gewesen sein, die die Rüstung des Ritters zum Vibrieren gebracht haben, wir stellen uns das mal so vor, als wenn man sich eine Stimmgabel an die Schlefen hält, das dürfte “Kopf-Aua” gemacht haben. Zwar hatten die Ritter nun Kopfschmerzen und wurden böse, aber sie waren kultiviert, respektvoll und hatten einen Codex (hier bitte andächtiges Raunen!), der ihnen befahl: “Wirst du beschenkt, so schenke zurück” (oder so ähnlich, ist auch egal…) und so ritten sie stürmisch los und auf die gegnerische Partei zu, um sich zu bedanken und zu revangieren. Nun waren Ritter aber in der Zwickmühle, denn was wissen wir schon von Kindergeburtstagen? Richtig, man sollte einem anderen Menschen niemals das schenken, was der andere Mensch dir vorher schon geschenkt hat. Was sollte der Ritter nun also verschenken? Da auf dem Schild meistens schon ein Wappen aufgemalt war, war es nicht zu verschenken, denn wer trägt schon ein Schild mit fremden Wappen? Also blieb (außer dem Pferd, aber Ritter sind bequem) nur noch das Schwert. So nahm der Ritter hoch zu Ross also sein Schwert aus der Scheide (ja ich weiß, ich hab Scheide gesagt – oh, schon wieder!) und wollte es den Feinden schenken, doch die missverstanden diese Geste und hielten es für einen Angriff, woraufhin sie ebenfalls die Waffen zückten und sich alle auf einmal gegenseitig niedermetzelten – nur glaube ich, dass Hollywood den Kampfeslärm etwas falsch intoniert, eigentlich sagten alle zu Beginn einer Schlacht nicht: “Aaaaaaaaaah euch geb ich’s, ihr Hunde!”, sondern vielmehr: “Hier! Bitte, oh Verzeihung! Upsala, welch Missgeshick!” (oder auch: “Scheiße, sorry!”), woraus dann langsam ein Kampfeslärm mit allen Flüchen und Schreien, wie man es aus Hollywood kennt, angestimmt wird. Und das alles nur wegen eines Missverständnisses. Die Welt hätte so schön sein können (und darüber hinaus überbevölkert…), wären die Gesten in den verschiedenen Kulturen nicht so widersprüchlich in ihrer Bedeutung.

Nunja, zurück zum Thema Schwert. Im Mittelalter konnte sich nicht jeder Hans und Franz, Klaus und Gustav oder Karl und Friedhelm ein Schwert leisten. Das war auch gut so, denn wenn jeder Hans und Franz, Klaus und Gustav oder Karl und Friedhelm sich ein Schwert hätten leisten können, hätte jeder Hans und Franz, Klaus und Gustav oder Karl und Friedhelm ein Schwert gehabt und was es der Menschheit einhandelt, wenn jeder Hans und Fr… – ach, vergesst es… wenn jeder Depp in der Welt eine Waffe in der Hand hält, sieht man derzeit an den Terroristen und Affen in den Regierungen (sucht euch aus, welche Länder gemeint sind, dies ist kein politisches Statement), die Krieg und Not in die Welt tragen. Daher war es ganz gut, dass nicht jeder H&f, K&G oder K&F (ihr wisst, was ich meine, nä?) im Mittelalter ein Schwert hatten. Nungut, viele von den H&F’s, K&G’s oder K&F’s hatten dafür Streitkolben, Pflegel, Forken, Lanzen, Pieken, Dolche, Armbrüste, Bögen, Hellebarden, Speere, Äxte oder Hammer für den Krieg, weshalb am Ende doch jeder H&f, K&[...] irgendeine Waffe hatte, aber ich habe sowieso gerade vergessen, worauf ich hinaus wollte…. ach ja, richtig, ich weiß es wieder!

Nur weil im Mittelalter jeder Analphabet (was die meisten Menschen ja sogar waren) und so manch ein Adeliger (die es ja nunmal auch gab, ca 20% der Bevölkerung) Waffen hatten, muss es heute doch nicht auch so sein, oder?
Warum also kaufen sich alle Leute auf dem Mittelaltermarkt ein Schwert?
Ein Schwert, eine Waffe,  welche hässlicher nicht sein kann! Ein Griff, entweder in schnödes Leder eingefasst oder mit Metalldraht umgarnt, ein Knauf, meistens öde als Kugel oder Kegel aufgenietet, eine Parierstange, die nutzlos schön verschnörkelt über dem Griff quer zur Waffenachse verläuft, eine Hohlkehle, die weniger dazu dient einen Gegner ausbluten zu lassen (”Blutrinne” ) als Gewichtsersparnis zu bringen, sowie die Fehlschärfe und die Schneide, die im blankpoliertem Stahl blitzen, das eigene Antlitz widerspiegelnd, formvollendet, perfekt ausbalanciert mit dem Schwerpunkt kurz über der Parierstange schlank und wunderschön verjügen, bis sie ihren ultimativen Höhepunkt finden im (dramaturgische Pause) Ort, der als Spitze der wundervollsten Waffe, die ich je gesehen habe, das gesamte Schwert zu einem spitzen Abschluss bringt. Nun stellt sich also die Frage, warum kaufen manche Leute KEIN Schwert auf dem Mittelaltermarkt, wo es doch so eine schöne Waffe ist, jederzeit einen Sinn im Leben eines Menschen der Neuzeit hat und darüber hinaus auch noch kleine Kinder ruhigstellen kann.

Nunja, die Antwort darauf kann ich wohl bieten.
Da man(n) auf dem Gelände eines Mittelaltermarktes den meisten Dingen, die zu einem “Schwanzvergleich” unter Männern taugen, beraubt ist, muss etwas anderes her. Da die meisten Männer sowieso eher “kleiner” unterwegs sind (wenn man(n) den Frauen glauben darf), muss eben etwas her, das aussagekräftig genug ist um zu zeigen: “Ey, ich bin hier der Macker!”. Da es aber verpöhnt ist seine fette Brieftasche in der Öffentlichkeit frei herumzutragen, muss etwas teures gekauft werden. Und hier kommt auch die Länge endlich ins Spiel. Vermutlich ist auf dem Mittelaltermarkt die einzige Gelegenheit, sein Geld wirklich in Länge zu messen, denn je länger ein Schwert (und damit auch der geistige, imaginäre Penis des Schwertkäufers) ist, desto teurer ist es auch. Der Spitzenreiter in dieser Liga ist übrigens der Zweihänder, auch Gassenhauer genannt. Dieser wird mit zwei Händen geführt – und etwas, das zweihändig geführt werden muss, kann nicht allzu kurz sein, wird in der Schlacht vom Schwertträger allerdings insofern benutzt, dass er sich im Kreise dreht und den Zweihänder dadurch rotierend durch die feindlichen Reihen führt (in meiner Fantasie macht es gerade “Aua!”).

Allerdings muss ich zuletzt auch eine Warnung aussprechen, denn nur weil man den/das längste/n (und teuerste/n) hat, heißt es noch lange nicht, dass man damit gewonnen hat. Denn erst, wenn man damit kämpft, stellt sich heraus, ob man auch den/das Beste/n hat! Schon oft ist mittem im Kampf eine Klinge zerborsten (und nocheinmal “Aua!” im Kopfkino) und der Schwertführer danach im Lazarett aufgewacht.
Hier empfehle ich: Bevor es in den Kampf geht, das Schwert vorher gegen einen nahestehenden Baum schlagen und – sollte die Klinge nicht abgebrochen sein – ersteinmal auf (Haar-)Risse kontrollieren und wenn alles in Ordnung ist: “Auf in den Kampf!”

Bei der Geschichte fällt mir ein… viele Haiarten haben zwei Penisse, von denen oftmals einer abbricht, wusstet ihr das? Nein? Ist auch garnicht so wichtig.

Dies sei es dann also gewesen, vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

PS: wer sich seinen Gratislacher an der Rezeption noch nicht abgeholt hat, hat Pech, die Empfangsdame hat seit 2 Minuten Feierabend!

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