Drachen habens schwer. – Eine kleine Geschichte (Teil 1)

Wie jeden Morgen erwachte er gähnend, sich reckend, streckend und an der Decke den Kopf stoßend, ließ jeden Zeh und jeden Finger (sofern man davon reden konnte) einmal knacken und hielt seinen Kopf einmal kurz unter das fließende Wasser, welches sich aus seiner Wand ergoss. Alter, was’n geiler Tag mal wieder, digga, dachte er bei sich, obwohl das Tageslicht von draußen noch garnicht zu ihm durchgedrungen ist. An seiner Schwanzspitze vernahm er ein Jucken, er machte kurzen Prozess – und biss einmal herzhaft hinein. An den darauffolgenden Schmerz hatte er mit seinem Spatzenhirn eher nicht gedacht, denn wie schon die Dinosaurier vor ein paar Jährchen, hatte auch unser Protagonist das Hirn einer Erbse in seinem Schädel, wobei man ja munkelt, im Schwanze hätten Dinosaurier (und so auch unser Individuum hier) ein zweites Hirn gehabt, aber auf dieser Diskussion halten wir uns mal raus. Wohl doch kein so toller Tag heute, dachte er daraufhin und schritt ein paar Schritte in seiner Behausung umher.

Der Ritter mit seinem Rappen unterm Hintern und seinem Knappen hinterherlaufend erreichte die Höhle im Morgengrauen, von drinnen erklangen Grunzlaute, sanfter, aber beißender Rauch quollen aus dem großen Schlot des Höhleneinganges hervor und ab und zu dachte das Trio vor der Höhle auch die Stimme eines weiblichen Wesens zu vernehmen.
Seines Zeichens nach ein hochwohlgebohrener Abkömmling einer sehr angesehenen Familie am Hofe des hiesigen Fürsten, fürchtete der blechern gekleidete Mann, der sich selbst Ulf nannte, ein Bild eines Mannes, das Picasso in seiner abstrakten Zeit nicht besser hätte malen können, weshalb er das Visier seines Helmes eher unten ließ, keine Gefahren, hatte er doch schon so manches durchlebt, so zum Beispiel ein böswilliger Angriff einer Meise, als er beim Picknick bequem auf einer Decke im Schlosspark saß und aß, oder aber das verwirrte Wildschweinbaby, welches mit unverhohlenem Schaum vor dem Mund (der vom Hauer-Putzen herrührte, die Zahnbürste übersah unser Ritter aber aufgrund von starker Kurzsichtigkeit) auf ihn zulief und dabei gemein grunzte und quiekte, selbstverständlich verstand unser kleines metallenes Genie jede einzelne der Beleidigungen, die das Schwein ihm an den Helm warf und war tollkühn genug nicht fortzulaufen, sondern das arme Ferkel mit einem Streitpflegel ordentlich Manieren beizubringen – und danach ein Picknick mit Spanferkel zu feiern.
Seine vom Fürsten höchstpersönlich auferlegte Pflicht war es nun, in diese Höhle zu gehen und sich zu vergewissern, dass dort nichts illegales vor sich ging, denn schließlich war es verboten, eine Frau zu entführen, zu verschleppen und aus einer Felsgrotte um Hilfe schreien zu lassen.

(Etwas früher am Morgen)
“Ulf, ich WILL, dass du in die Höhlengasse 13a reitest, nimm deinen Knappen mit, der soll auch mal was lernen, diese hohle Nuss, und sorge dafür, dass diese Lärmbelästigung durch die weibliche Stimme endlich aufhört. Die Nachbarn haben sich schon beschwert und weigern sich unter diesen Umständen den kompletten Mietbetrag zu bezahlen.”
- “Ja mein Fürst, wird erledigt, Cheffe!”, hatte Ulf daraufhin gesagt, war in den Stall gegangen und hatte Rappen wie Knappen eingepackt und ist davongedüst.

(Wieder im Jetzt)
Boah, watt is wohl fürn Wetter draußen ?, fragte er sich und schritt hinaus um sich einmal umzuschauen. Er beschloss seine Aussage, es sei ein schöner Tag zu revidieren, draußen regnete es, hin und wieder grollte es aus dem Himmel hinaus und außerdem war er gleich beim ersten Schritt in eine Schlammpfütze getreten. Ekelhaft, ey man, willst mich wohl dissen?!, dachte er, hätte er wohl auch gesagt, wenn er hätte sprechen können. Stattdessen grunzte er einmal verächtlich und ging wieder nach drinnen, um dort seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen und einen Happen zu essen.

Der Ritter schob seinen Knappen vor, der wich gleichzeitig zurück. “Da drinnen muss ein Drache hausen! Siehst du nicht alle Anzeichen dafür?”, sagte der Knappe, während er beim Zurückweichen ein Buch herausholte mit dem Titel “Drachenhöhlen erkennen und den Bewohner richtig spezifizieren!”, er las vor:
“Sind sie vor einer Höhle und erblicken Rauch, der darauf hervorquillt, hören sie eine weibliche Stimme von innen nach außen dringen und darüber hinaus Grunzlaute oder atemberaubendes Brüllen, so stehen sie vor einer Drachenhöhle! Sind darüber hinaus Gerippe vor der Höhle, besteht kein Zweifel daran, dass sie, sollten sie so lebensmüde sein und “Drachentöter” als Beruf gewählt haben, hier goldrichtig sind.”.
“Gerippe?”
- “Gerippe!” Sie schauten sich um. Tatsächlich, es lagen Gerippe vor der Höhle. Der Ritter schluckte, der Knappe hatte sich hinterm Rappen versteckt – und der Rappe stand doof da, wie eigentlich immer, wenn sich Ritter und Knappe unterhalten. In der Regel waren diese Unterhaltungen so stumpfsinnig und langweilig, dass der Rappe sich angewöhnt hatte, nicht mehr zuzuhören. Heute ein Fehler, könnte man meinen, hmm?
“Nundenn, lass es uns angehen. Ein Drache sagst du also, dann lass uns Vorbereitungen treffen!”, meinte der Ritter, während er abstieg und dem Knappen die Zügel in die Hand drückte mit den Worten, er solle sich auf das Pferd setzen, um die Gegend besser im Auge zu behalten, schließlich säße er dann höher. So saß der Knappe auf dem Pferd und der Ritter machte irgendwas, nur was, war dem Knappen schleierhaft. Schließlich erschien ihm nichts von dem sinnvoll, was um ihn herum passierte. Er blätterte wieder im Ratgeber und fand eine Stelle, die er für interessant befand und laß vor:
“Wenn sie vor einer Drachenhöhle stehen und im Begriff sind diese zu betreten, sollten sie diverse Dinge beachten:
Drachen speien Feuer. Seit altersher ist das die bewährte Waffe der Drachen, um sich schnell und einfach eines Feindes zu entledigen – und im selben Atemzug ein gargekochtes Mahl zu haben. Sollten sie also eine Drachenhöhle angreifen, sollten sie dringend ein wassergekühltes Schild bei sich führen, welches sie dem Feuerstoß entgegen halten können.
Darüber hinaus besitzt ein Drache eine unglaublich harte, schuppige Haut, man könnte es Panzer nennen und mit der Plattenrüstung vergleichen, die sie hoffentlich vorher abgenommen haben, da sie dadurch viel zu träge werden und Metall sich bestialisch aufheizt!” Der Knappe sah zu Ulf, der immernoch irgendwas tat – in voller Rüstung, dann schaute er sich um und befand, dass auch kein Schild zur Verfügung stand, ganz zu schweigen von einer Wasserkühlung – was auch immer das war. Er las weiter: “Als Waffe gegen diesen Schuppenpanzer dient ein Schwert, das Scharf, hart und lang sein muss, schließlich dürfte es schwer werden, an ihren Gegner nah genug heranzukommen, um ihn tötlich zu verletzen. Die verwundbarste Stelle ist jeweils unter der Achsel, also dort, wo das Bein in den Rumpf übergeht. Diese Stellen sind wenig bis garnicht geschuppt, aber vorsicht, der Gestank von Drachenachseln ist schlimmer als der von menschlichen Rittern nach einer Schlacht über 4 Stunden. Mit Pech sind diese nichtmal rasiert und sie müssen sich durch unbändige Achselbehaarung kämpfen, wobei ihnen ihr Schwert abhanden kommen könnte. Am Besten ist es, sie würden es vorher an ihre Hand binden, damit sie es garnicht erst verlieren können.” Eine Lesepause machend gewahrte der Knappe, dass der Ritter inzwischen ein Seil in der Hand hatte - immerhin würde er einen Rat beherzigen und sich das Schwer an die Hand binden, dachte der Knappe und vertiefte sich wieder ins Buch.
Als er feststellte, dass es im Buch keine weiteren Tipps gab, außer dass, sollten die Achseln unerreichbar sein, das Maul eine ebenso passende Stelle zum Verwunden von Drachen sei, packte er den Ratgeber zurück in seine Tasche und war nicht schlecht erstaunt, als er merkte, dass er an den Rappen gefesselt war. Er wollte gerade was sagen, als der Ritter dem Rappen einen Klaps auf den Allerwertesten gab und dieser – da er der Unterhaltung über Drachen und Co nicht zugehört hatte – geradewegs auf die Höhle mit den Gerippen, dem Rauch und dem Grunzen, also eindeutig auch einem Drachen im Innern, zubrauste.

Er polierte gerade eine Goldmünze, die ganz verdreckt war – und das nur, weil er ungewaschen zu Bett gegangen war, wie unpfleglich von ihm, hätte er sich ja auch denken können, dass, wenn er sich mit einer Schlammpfütze prügelt, weil die seine Ehre dadurch verletzte, dass sie seine Füße schmutziggemacht hat, dass wenn er sich nicht wäscht, sondern nur ein Deodorant aufsetzt, der Schmutz sein kostbares Gold und Silber beschmutzt. Aber das hatte er nun davon, aber immerhin eine sinnvolle Beschäftigung. Außerdem hatte er Glück gehabt, dass es so warm war, dass er seine Ed Hardy-Bettdecke nicht benutzen musste, er hatte keine Lust, die Waschmaschine anzustellen.
Aber wie er da so polierte und sinnierte, hörte er draußen etwas und nahm die Witterung auf – es kam ihm ein Gedanke: Ey alta, krass Fressen ey! Und so stapfte er leise hinaus…

Der Rappe rauschte weiter, mitten auf die Höhle zu, der Knappe rie: “Stehenbleiben, Drache, Drache, DRACHEEEEE!!!!!”, doch der Rappe preschte weiter, aber er vernahm das Wort “Drache”, schaute in die Luft, erblickte aber keinen Papierdrachen, der im sowieso nicht vorhandenen Wind steigen gelassen wurde, also dachte er: Der will mich doch veräppeln, als ihm die Gerippe gewahr wurden und ihm klar wurde, was der Knappe meinte, doch da war es schon zu spät.

Rauch drang aus seinen Nüstern, er wusste genau, wo sich seine Beute befand, er war bereit zum Feuerstoß und hinaushechten, zubeißen und fressen! Nicht mehr lange, ein kurzer Augenblick, dann würde sich sein knurrender Magen mal wieder einer Mahlzeit erfreuen. Er schnupperte noch einmal…. Ein Wildschwein? Nein, dafür war es zu laut, außerdem zu schnell im Galopp. Ein Reh? Nein, das wäre zwar schnell im Galopp, aber die Hufe waren so laut, es konnte kein Reh sein! Er nahm noch einen tieeeefen Atemzug, merkte, dass sein Ziel nun nah genug war, überlegte nicht weiter und sprang, schnappte zu und riss seine Beute mit in den Schlamm, der vor der Höhle lag. Er merkte, wie seine Beute aufhörte zu zucken und schleifte es zufrieden hinein.  Hatte er doch mit einem Bissen gleich zwei Happen gleichzeitig gejagt – kommt auch nicht so oft vor. Endkrass, fett fressen, digga!, mehr konnte er dazu nicht zum Ausdruck bringen ob seiner Freude.

Der Rappe bremste scharf, schlitterte jedoch durch den Schlamm vor der Höhle und konnte nicht bremsen, der Knappe schlug die Hände vors Gesicht in Erwartung des Schlimmsten, was passieren könnte. Er hoffte auf einen schnellen Tod. Sie rutschten geradewegs in die Höhle hinein, auf dem nassen, glatten Boden konnten sie nicht anhalten. Plötzlich sahen sie Licht und es dauerte nicht lange, dass sie der Lampe, die von der Decke hinabhingen, gewahr wurden, der Knappe, stieß sich nämlich den Kopf daran und kurze Zeit später krachten sie mitten in den Wohnraum der Höhle, ramponierten einen vollgestellten Tisch, warfen Stühle, Kessel und Lampen um und die Insassen schrien verblüfft und verärgert auf. Nachdem sie gegen eine Wand gekracht waren, rappelten sich die beiden Eindringlinge langsam auf und trauten ihren Augen nicht, erstens weil sie noch am Leben waren, zweitens weil kein Drache in der Höhle war – gut, ich korrigiere, kein Drachen in diesem Sinne, dafür aber ein ziemlich böse dreinschauender Hausdrache, genannt Ehefrau, schon bewaffnet mit einem Nudelholz, schritt sie auf die beiden, den Knappen mit dem Rappen, zu, erhob den Arm und prügelte wild schreiend öauf die beiden ein.
Vor der Höhle, bei lecker Picknick, saß der Ritter und hielt inne, als er aus dem Inneren der Höhle zuerst Geschepper, dann Schreie hörte und als er von seinem Schokoladenpudding aufblickte und zur Höhle schaute, kamen auch schon zwei Gestalten aus dem dunklen Schlund gelaufen, wild mit den Armen fuchtelnd (ja, der Rappe lief auf zwei Beinen und fuchtelte mit seinen “Armen”) und schreiend, dicht gefolgt von einer Frau mit Nudelholz, wilde Beschimpfungen rufend. Der Ritter erhob sich, drehte sich auf den Fersen um und begann zu laufen. Scheiße, dachte er bei sich.

Genüsslich am letzten Knochen dieses üppigen, leckeren, frischen Mahles, welches aus einer Elchkuh und einem Elchbullen, die sich wohl zwecks Fortpflanzung einen ruhigen Ort suchen wollten – und schon im Eingang seiner Höhle nicht mehr warten konnten, bestand, nagend, begann er die Gerippe der zwei armen Tiere in den Abfalleimer seiner Höhle zu werfen, der aus einem kleinen Abgrund bestand, den er mal erkundete und als nutzlos befand. Ja, er war ein reinlicher Drache, der seine Höhle in Ordnung hielt. Außerdem hatte er mal einen Drachentöter-Ratgeber zwischen die Pranken bekommen – von einem Drachentöter, der seine Höhle in der Absicht betrat, ihn seines schönen Lebens – und seines Goldes zu berauben. Das Vorhaben brach er aber bald ab – ebenso wie sein Leben. Jedenfalls las der Drache diesen Ratgeber sehr genau und passte seine Höhle und sein Gebahren entsprechend an und fand für sich selbst, dass er ein besserer Mensch als manch anderer Mensch war.

– To Be Continued –
So, das war der erste Teil einer kleinen, spontanen Geschichte…. es geht sicher bald weiter hier! Stay tuned!

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